Wissen · Kapitalkosten
WACC (Kapitalkosten) einfach erklärt
Der WACC (Weighted Average Cost of Capital) ist der durchschnittliche Zinssatz, den ein Unternehmen für Eigen- und Fremdkapital verlangt. Im DCF dient er als Abzinsungssatz: Je höher er ist, desto weniger sind künftige Cashflows heute wert.
Auf einen Blick
- Zwei Bausteine: Eigenkapitalkosten (was Aktionäre erwarten) und Fremdkapitalkosten (Zinsen auf Schulden).
- Eigenkapitalkosten nach CAPM: risikofreier Zins + Beta × Marktrisikoprämie.
- Beta misst, wie stark die Aktie im Verhältnis zum Gesamtmarkt schwankt. Beta 1 = wie der Markt.
- Fremdkapital ist billiger, weil Zinsen steuerlich absetzbar sind. Mehr Schulden senken den Mischsatz rechnerisch, erhöhen aber das Risiko.
- Der WACC ist eine Annahme, kein Messwert. Darum zeigen wir ihn offen und lassen ihn im Rechner verändern.
Formeln
Eigenkapitalkosten (Ke) = risikofreier Zins + Beta × Marktrisikoprämie WACC = EK-Anteil × Ke + FK-Anteil × Fremdkapitalzins × (1 − Steuersatz)
Rechenbeispiel 1: Eigenkapitalkosten Merck & Co. (Analyse Okt. 2026)
- Risikofreier Zins (Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen): 4,96 %
- Marktrisikoprämie: 4,46 %
- Beta: 0,60 (gemessen 0,22, für realistischere Kapitalkosten angehoben)
- Ke = 4,96 % + 0,60 × 4,46 % = 4,96 % + 2,68 % = 7,64 %
- WACC in der Analyse: 7,20 % (Fremdkapital senkt den Mischsatz)
Rechenbeispiel 2: Gewichtung (vereinfacht, kein echter Merck-Wert)
Angenommen 90 % Eigenkapital, 10 % Fremdkapital zu 4,5 % Zins, 21 % Steuersatz:
- 0,90 × 7,64 % = 6,88 %
- 0,10 × 4,5 % × (1 − 0,21) = 0,36 %
- WACC = 6,88 % + 0,36 % ≈ 7,2 %
Was der WACC bewirkt
- Je riskanter, desto höher der Satz: Merck 7,20 % (Beta 0,60), Meta 9,86 % (Beta 1,19), Amazon 10,86 % (Beta 1,46).
- Kleine Änderung, große Wirkung (Meta, vereinfachtes DCF): WACC 7,86 % → 956 $, WACC 9,86 % → 643 $, WACC 11,86 % → 474 $. Der Kurs liegt bei 642,62 $.
- Auch ein Punkt zählt: Bei Meta ändert ein WACC von 8,86 % den Wert auf 772 $, bei 10,86 % auf 547 $.
- Umgekehrt gedacht: Bei Amazon müsste der WACC bei etwa 7,0 % liegen (statt 10,86 %), damit das FCF-DCF den Kurs erreicht.
Fallstricke
- Beta schwankt: Merck hat gemessen Beta 0,22. Würde man das ungeprüft nehmen, wäre der WACC unrealistisch niedrig und der faire Wert zu hoch.
- Marktrisikoprämie ist eine Annahme. Sie liegt je nach Quelle meist zwischen 4 und 6 %.
- Der Endwert reagiert am stärksten, weil im DCF „WACC − Dauerwachstum“ im Nenner steht (siehe DCF-Bewertung).
FAQ
- Welcher WACC ist „richtig“? Keiner exakt. Sinnvoll ist eine Spanne und die Frage, bei welchem WACC der Kurs gerechtfertigt wäre.
- Warum hat ein Pharmakonzern einen niedrigeren WACC als ein Techkonzern? Weil sein Geschäft weniger mit dem Gesamtmarkt schwankt, also ein niedrigeres Beta hat.
- Was passiert bei steigenden Zinsen? Der risikofreie Zins steigt, damit steigen Ke und WACC, und der faire Wert sinkt. Das trifft Unternehmen mit weit in der Zukunft liegenden Cashflows am stärksten.
Weiterführend
- Analysen: Merck & Co., Meta, Amazon
- Nächste Begriffe: DCF-Bewertung, NAV-Abschlag
Zahlen aus unseren Analysen, Stand siehe Beispiel. Zuletzt aktualisiert: 01.11.2026.
Dieser Inhalt dient der Information und ist keine Anlageberatung. Die Beispiele sind Modellrechnungen mit Annahmen und können vom tatsächlichen Wert abweichen.